Google Cloud hat mit dem Open Knowledge Format (OKF) einen offenen Standard veröffentlicht, der internes Fachwissen für KI-Systeme lesbar und übertragbar macht. Für Rechts- und Datenschutzabteilungen lohnt sich ein genauer Blick, denn der Standard berührt direkt die Frage, wie nachvollziehbar und dokumentiert KI-gestützte Prozesse künftig sein können.
Wenn KI-Systeme das Wichtigste nicht wissen
Foundation-Modelle können heute Texte zusammenfassen, Code schreiben und Daten analysieren. Sobald sie jedoch unternehmensspezifisches Wissen benötigen, etwa die Bedeutung einer Kennzahl, die Zuständigkeit für ein Verfahren oder den Ablauf einer Eskalation, stoßen sie an ihre Grenzen. Dieses Wissen liegt in den meisten Organisationen verstreut vor: in Metadaten-Katalogen mit eigenen Schnittstellen, in Wikis und geteilten Laufwerken, in Kommentaren und Notizen oder schlicht im Kopf einzelner Mitarbeitender. Jede KI-Anwendung muss sich dieses Wissen erneut zusammensuchen, und jeder Anbieter baut dafür ein eigenes System. Das Ergebnis ist doppelte Arbeit, und das Wissen bleibt an einzelne Werkzeuge gebunden, statt frei verfügbar zu sein. Für die aller meisten Rechts- und Datenschutzabteilungen ist dieses Muster vertraut: Verfahrensbeschreibungen, Vertragsvorlagen und Prüf-Know-how liegen häufig ebenso verteilt vor, mal im Kanzlei-Intranet, mal in einzelnen Word-Dateien, mal nur im Erfahrungswissen einzelner Kolleginnen und Kollegen.
Was das Open Knowledge Format konkret liefert
Genau hier setzt das OKF an. In der aktuellen Version 0.1 stellt es Wissen als Sammlung einfacher Markdown-Dateien dar, ergänzt um einen kleinen Block strukturierter Metadaten im YAML-Format. Jede Datei beschreibt einen einzelnen Sachverhalt, etwa eine Tabelle, eine Kennzahl oder einen Prozess, und der Dateipfad selbst wird zur Identität dieses Sachverhalts. Verlinkungen zwischen den Dateien bilden ein Netzwerk aus Beziehungen, das über die reine Ordnerstruktur hinausgeht. Entscheidend ist: Es braucht dafür keine neue Software, keine proprietäre Schnittstelle und kein spezielles Laufzeitsystem. Eine solche Wissenssammlung lässt sich in jedem Editor öffnen, in einem gewöhnlichen Code-Repository versionieren und von unterschiedlichen KI-Systemen gleichermaßen lesen.
Warum das für Rechts- und Datenschutzabteilungen relevant ist
Auf den ersten Blick wirkt das OKF wie ein rein technisches Thema. Bei genauerem Hinsehen berührt es jedoch mehrere Punkte, die in Rechts- und Datenschutzabteilungen ohnehin auf der Agenda stehen.
- Dokumentationspflichten: Der EU AI Act verlangt in Artikel 11 und 12 eine nachvollziehbare technische Dokumentation und Protokollierung, die DSGVO in Artikel 30 ein Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten. Ein Format, das Metadaten, Versionsstände und Änderungsverläufe in einfachen, versionierbaren Dateien festhält, kann eine solide Grundlage für solche Nachweise liefern.
- Wissensmanagement: Statt Fachwissen in einzelnen Köpfen oder isolierten Tools zu belassen, lässt sich mit einem gemeinsamen Format kuratiertes Wissen aufbauen, das Team und KI-System gleichermaßen nutzen und pflegen können.
- Herstellerunabhängigkeit: Da das Format an keinen bestimmten Anbieter gebunden ist, sinkt das Risiko eines Vendor-Lock-ins, ein Aspekt, der bei der rechtlichen Prüfung von KI-Verträgen regelmäßig eine Rolle spielt.
(Mehr zum Thema Vendor-Lock-ins und wie diese Umgangen werden können finden sie hier: https://klto.io/2026/08/19/legal-tech-unter-dem-hammer-was-die-konsolidierungswelle-fuer-ihre-rechtsabteilung-bedeutet/)
Chancen und Grenzen
Die Stärken des Formats liegen in seiner Einfachheit. Es ist offen, lesbar, versionierbar und unabhängig von einem einzelnen Anbieter, drei Eigenschaften, die aus Governance-Sicht viel wert sind. Gleichzeitig sollten Sie die Erwartungen realistisch halten. Version 0.1 ist ein früher Entwurf, der sich noch weiterentwickeln wird. Der Standard regelt die Struktur der Wissensdateien, nicht aber Zugriffsrechte, Verschlüsselung oder den Umgang mit personenbezogenen Daten innerhalb der Dokumente. Wer das Format einsetzt, braucht deshalb weiterhin eine eigene Governance-Schicht, die festlegt, wer welche Inhalte pflegen darf und wie mit sensiblen Informationen umzugehen ist. Das OKF ersetzt also keine Datenschutz- oder Sicherheitskonzepte. Es liefert lediglich eine gemeinsame Sprache für das, was dokumentiert werden soll.
Wie KLTO Sie dabei unterstützt
KLTO begleitet Rechts- und Datenschutzabteilungen bei der Frage, wie neue technische Standards wie das Open Knowledge Format sinnvoll in bestehende Compliance-Prozesse eingebettet werden können. Das reicht von der Einordnung im Rahmen der Dokumentationspflichten des EU AI Act bis zur praktischen Umsetzung in Wissensmanagement-Systemen, die sowohl juristischen Anforderungen als auch den Bedürfnissen von KI-Agenten gerecht werden. Wir prüfen gemeinsam mit Ihnen, welche internen Wissensbestände sich für eine strukturierte, versionierte Dokumentation eignen, und entwickeln die dazu passende Governance-Schicht, von Zugriffsrechten bis zum Umgang mit personenbezogenen Daten in den Wissensdateien. So übersetzen wir die technische Logik solcher Formate in konkrete, prüfbare Prozesse für Ihre Organisation.
KLTO-Workshop: KI-Wissen dokumentationssicher aufbauen
In einem praxisnahen Workshop zeigen wir, wie Sie interne Wissensbestände strukturiert und dokumentationssicher aufbauen, mit Blick auf neue Formate wie das OKF und die Anforderungen des EU AI Act.
→ Termin vereinbaren: info@klto.io
Sie möchten wissen, wie sich neue KI-Standards wie das OKF in Ihre Compliance-Struktur einfügen? Sprechen Sie uns an: Wir denken RECHT digital, gemeinsam mit Ihnen.
KLTO | Ein Beitrag von Noha Klose und Dante Browder
